Die Selbecker Sterbekasse

Seit 1924 eine feste Institution in Selbeck

Vor 100 Jahren waren „Sterbekassen“ in Dörfern und kleinen Städten nicht selten. Heute ist diese Form der bürgerlichen Selbsthilfe fast verschwunden. Aber nur fast, denn im Barntruper Ortsteil Selbeck gibt es sie immer noch und das nicht nur auf dem Papier. Ganz im Gegenteil: Die Selbecker „Sterbekasse“ hat mitgliedermäßig in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt, was vor allem dem heutigen Vorsitzenden Otto Piesk und seinem Vorgänger Walter Lesemann zu verdanken ist.

94 zahlende Mitglieder zählt die Sterbekasse, die kein Verein im herkömmlichen Sinn ist, sondern ein eher lockerer Zusammenschluss von Bürger/innen, denen sowohl daran gelegen ist, eine alte Tradition aufrecht zu erhalten, als auch die heutige dörfliche Gemeinschaft zu fördern und zu festigen. Da Familien durch ein zahlendes Mitglied einbezogen sind, werden gut Dreiviertel der Bevölkerung des 400-Seelen-Dorfes in der Sterbekasse geführt und im Fall des Falles mit den allen Mitgliedern zustehenden Leistungen bedacht. So etwas ist wohl nur in einer so intakten Dorfgemeinschaft wie in Selbeck möglich, die übrigens entscheidend vom Ziegler- und Heimatverein, dem einzigen „richtigen“ Verein im Dorf, geprägt wird.

 Die Selbecker Sterbekasse wurde 1924 gegründet. „Hülfe am Grab“ ist in fein säuberlicher Sütterlinschrift im Gründungsprotokoll zu lesen. Die Gründer, unter Ihnen Wilhelm Domeier, Oberlehrer Schäfertöns und Fritz Höltke, beschlossen damals, dass jedes Mitglied bei einem Sterbefall eine Mark zahlt. Das ermöglichte eine Zahlung von 80,- Mark an die Angehörigen eines Verstorbenen. Viel Geld zur damaligen Zeit, denn davon konnte immerhin ein Sarg bezahlt werden.
Diese Zeiten sind ganz lange vorbei und die meisten der damals gegründeten Sterbekassen gibt es längst nicht mehr. Die Selbecker haben diese alte Tradition allerdings über alle schwierigen Zeiten gerettet und ihr sogar ganz neues Leben „eingehaucht“.

 
Heute zahlen die Mitglieder bei einem Sterbefall 5,- Euro und den Hinterbliebenen werden 400,- EUR ausgezahlt. Otto Piesk, Vorsitzender der Sterbekasse seit 2005: „Das ist natürlich nicht die Welt, aber es ist immerhin eine kleine Hilfe, insbesondere unter dem Aspekt, das von den Krankenkassen kein Sterbegeld mehr an die Angehörigen gezahlt wird.“

In Selbeck ist Tradition nicht nur ein Wort, sondern höchst lebendig. So wird immer noch persönlich durch Gudrun Hilbich kassiert und die Auszahlung an die Hinterbliebenen erfolgt ebenso persönlich durch Otto Piesk. Wo gibt’s so etwas heute noch …

Einmal im Jahr, in der stillen Zeit, findet die Jahreshauptversammlung statt, bei der die Namen der Verstorbenen verlesen werden und Ihrer gedacht wird. Anschließend werden Erinnerungen ausgetauscht. Manche Anekdote, mal lustiger mal trauriger Natur, wird zum Besten gegeben und so erfahren insbesondere die jüngeren Mitglieder der Sterbekasse etwas vom Dorfleben vergangener Zeiten. Die Selbecker Sterbekasse hat im Jahr 2019 ihr 95-jähriges Jubiläum.

Übrigens: Neue Mitglieder sind in der Sterbekasse immer willkommen. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: Mitglied werden können ausschließlich Selbecker Bürger/innen.

Otto Piesk ist sehr viel daran gelegen, diese alte Tradition, die immer seltener zu finden ist, für die Nachwelt zu erhalten. Wer Interesse hat, wende sich bitte an ihn persönlich, per Telefon unter 05263 – 3972 oder per E-Mail an info@zieglerverein-selbeck.de.

 
 
Das Protokollbuch aus den Gründerjahren nennt als Gründungsdatum den 01. Januar 1924.
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